Belagerung und Gefangenschaft

Das hier vorliegende Tagebuch ist eine zeithistorische Rarität. Es stammt aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, handelt von den Tagen eines Feldarztes in der k. u. k. Armee in Przemysl, Österreichs großer Festung in seiner östlichsten Provinz, Galizien. Die Stadt wird schließlich nach langer Belagerung ausgehungert und muss kapitulieren. Eine ganze österreichische Armee geht damals in Gefangenschaft und mit ihr unser Arzt im Hauptmannsrang, Richard von Stenitzer. Auch in den nun folgenden Jahren in Russland hat er Tagebuch geführt, an all den exotischen Orten in den Weiten des Zarenreiches, an die es ihn verschlägt, und schließlich in Dänemark, im Auffang- und Austauschlager, kurz vor seiner Heimkehr. 

Durch eine Reihe glücklicher Fügungen sind die Tagebücher dem Autor nie verlorengegangen, sind ihm durch alle Schwierigkeiten hindurch erhalten geblieben und auch von den Nachkommen über den Zweiten Weltkrieg und über zwei Generationen hinweg aufbewahrt worden. 

Die Tagebucheintragungen atmen eine gewisse Liebenswürdigkeit in Verbindung mit trockenem Humor, einer eindeutig patriotischen Gesinnung bzw. melancholischen Gelassenheit und einer scharfen Sicht auf die Dinge. Die großen historischen Zusammenhänge, die hier und da thematisiert werden und zu deren kurzer Erläuterung die Fußnoten dienen, sind hier nur der Rahmen; das Wesentliche der Eintragungen erschließt sich aus den kleinen Details des Alltags und der Beschreibung des Menschlichen, Allzumenschlichen. Dass der Autor den blutigen Grausamkeiten des Krieges relativ wenig Platz einräumt, heißt wohl nicht, daß er sie nicht selbst auch hätte erleben müssen. Als Arzt war er mit den Folgen des Krieges ja stets konfrontiert.

Eingefasst werden die Tagebuchteile von kurzen illustrierenden Aufsätzen aus der Feder des Herausgebers, den großen Themen aus Stenitzers Leben in den Kriegsjahren gewidmet, der Festung, dem Dienst als Arzt im Krieg, der Gefangenschaft sowie seiner Biographie und Familiengeschichte. 

Das Bildmaterial ist bislang ebenfalls im Wesentlichen unbekannt. Es stammt einerseits aus dem Familienbesitz, andererseits sind es Aufnahmen aus dem Österreichischen Kriegsarchiv sowie, speziell, was Russland anbelangt, faszinierende Aufnahmen aus der außerordentlichen Sammlung Prokudin-Gorskij, eines russischen Pioniers der Fotographie, der zwischen 1905 und 1915 im Auftrag des Zaren quer durch das Imperium dokumentarische Farbbilder anfertigte, mit welchen sich die Tagebuchaufzeichnungen Stenitzers idealtypisch veranschaulichen lassen. 

Dieses Buch zeigt aus erster Hand die östlichen Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs und das Gefangenenleben in den Weiten des Zarenreichs, dessen letzte Monate angebrochen waren, am Vorabend der russischen Oktoberrevolution. Schauplätze, die in den großen Kriegsdarstellungen oft viel zu kurz kommen! 

 

Der Autor:

Albert Pehtö, Dr. phil., geboren 1956, einer altösterreichischen Offiziersfamilie entstammend, lebt und wirkt als Historiker in Wien; langjährige Beschäftigung mit Militärgeschichte. Mit “Agenten für den Doppeladler” publizierte er ein im Leopold-Stocker-Verlag erschienenes, preisgewürdigtes Standardwerk über den militärischen Geheimdienst der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im  Ersten Weltkrieg. 

 

ISBN 978-3-902475-83-1

Albert Pethö (Hrsg.)

BELAGERUNG UND GEFANGENSCHAFT

Von Przemysl bis Russisch Turkestan

Das Kriegstagebuch des Dr. Richard Ritter von Stenitzer 1914–1917

264 Seiten, 50 Abbildungen, Hardcover

€ 24,90

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